Zeugnis 2.0: Kommentare oder Noten?

/, Aus dem Unterricht, iPad School, News, Villa Wewersbusch/Zeugnis 2.0: Kommentare oder Noten?

Kommentare oder Noten? Kommentare oder doch besser die klassischen Schulnoten von „sehr gut“ bis „ungenügend“? So lässt sich der junge Mensch doch viel besser mit anderen jungen Menschen vergleichen.

In wenigen Wochen ist es soweit, die Halbjahreszeugnisse stehen an. Dann gibt es ihn, den Leistungsnachweis schwarz auf weiß. Wie hat sich das Kind im vergangenen Schulhalbjahr gemacht, wie ist die Einschätzung der Lehrerinnen und Lehrer? Noten sollen den aktuellen Leistungsstand eines Schülers in einem bestimmten vorgegeben Bereich widerspiegeln. Wurde die Lernzielvorgabe erreicht? Die Antwort soll objektiv durch Noten wiedergegeben werden. Dabei richtet sich die Note an zwei Zielgruppen. Sie gibt das Leistungsniveau des Lernenden an selbigen und Eltern weiter. Dem Lehrer hilft sie bei der Einleitung von Maßnahmen, die den weiteren Bildungsprozess gestalten. Die Note hilft beim Fordern und Fördern des Individuums im jeweiligen Schulfach.

Eine Note ist eine Reduktion, sei es als Wort, wie zum Beispiel „gut“, oder noch kürzer als Zahl, die „2“. Immer kürzer, immer schneller.

Dabei wird ein Problem klar, die Frage nach der Skalierung. Wie genau will man die Leistung bewerten? 1850 waren in preußischen Schulen drei Notenstufen üblich. Später wurden es bis zu fünf. Seit 1938 wurden sechs Zensurstufen an deutschen Schulen üblich. Die Kultusministerkonferenz vom 3. Oktober 1968 legte ein Punktesystem von 0 bis 15 Punkten fest, wobei 15 Punkte ein „sehr gut“ bedeutet. Heute ist das Schulnotensystem Ländersache, Noten sind bestenfalls innerhalb eines Bundeslandes vergleichbar. Eine „gute“ Leistung in NRW ist nicht unbedingt auch ein „gut“ in Bayern oder Hamburg. Aber führt diese Unvergleichbarkeit von Noten in einer global denkenden Welt, die eigentliche Aufgabe von Noten nicht ad absurdum? 

Es gibt auch Strömungen in der Gesellschaft, die Noten abschaffen wollen und zu einem System tendieren, bei dem die Leistung des Schülers durch einen Kommentar des Lehrers über dessen Leistung beschrieben werden soll. Ein solches System gibt es bereits in den Grundschulen. Hier hat es den Sinn, Schüler wie auch Eltern mit der Idee einer vergleichbaren Leistungsmessung vertraut zu machen. Die Kommentare sind anfangs lange Satzgebilde, werden dann weiter reduziert zu vorgefertigten Satzkonstruktionen. Wir alle kennen die Phrase „hat sich stets bemüht“, als eine Widerspiegelung als „mangelhafte“ oder „ungenügende“ Leistung. Die Frage, ob Kommentare oder Noten, ist also auf dem ersten Blick lediglich eine Frage nach dem Grad der Reduktion.

Vergessen wir nicht das Wesentliche? Braucht es die Vergleichbarkeit von Schülern, ist sie überhaupt möglich? Und wenn, wie? Ein Kommentar, eine Zahl? 

Wir leben heute in einer bemerkenswerten Welt. Nie zuvor war es dem Menschen leichter, Wissen zu erlangen. Ein paar Klicks, ein paar Tastendrücke genügen und das Wissen der Menschheit steht uns zur Verfügung. Wie viel ein Mensch weiß, das ist lediglich die Frage, wie schnell er Wissen abrufen kann. Viel wichtiger ist es, wie gut der Mensch die Informationen filtern, bewerten und verwendet. In Kombination mit Talent und Interesse ergibt sich ein Resultat, das die individuelle Leistung widerspiegelt. Die Frage ist also, ob Kommentare oder Noten in dieser heutigen Welt überhaupt funktionieren können. 

Schule bereitet immer auf die Arbeitswelt der Zukunft vor. So funktioniert unsere Gesellschaft. Abschlussnoten sollten den Arbeitgebern in reduzierter Art mitteilen, ob der Kandidat für die Aufgaben, die ihm gestellt werden, geeignet ist. Allerdings wissen wir heute, dass diese Vorstellung antiquiert ist. Arbeitgeber fragen nicht mehr nach Noten, sie wollen wissen, welche Spezialgebiete, die „Skills“, ein möglicher Mitarbeiter in das Unternehmen mitbringt. 

Wenn also die entscheidende Zielgruppe von Schule, die Arbeitswelt, Noten als nicht ausschließliches Kriterium mehr ansieht, sollten dann Noten oder Kommentare über Schüler auf Zeugnissen zu finden sein, oder etwas ganz anderes?

 

Text und Idee: Sebastian Funk und Florian Kesseler
Bild: Sebastian Schlag

By | 2019-01-13T14:01:09+00:00 Januar 13th, 2019|Allgemein, Aus dem Unterricht, iPad School, News, Villa Wewersbusch|0 Comments

Leave A Comment