Gedanken zum Tag der Medienkompetenz

//Gedanken zum Tag der Medienkompetenz

„Wie lange sind sie täglich im Internet?“, diese Frage aus den neunziger Jahren kennen noch viele Menschen. Seit Smartphones zur Massenware wurden ist diese Frage hinfällig: 24 Stunden. 

Diesen fundamentalen Paradigmenwechsel haben viele Menschen still und schleichend erlebt und befinden sich nun in einer Welt, die von Medien mehr denn je durchwachsen ist. Die morgendliche Zeitung wurde durch das Studium der Tagesschauseite abgelöst oder Leitartikel des Lifestyle-Magazins kommt nun in Form einer Pushnachricht aufs Handy. Doch was ist mit den Kindern und Jugendlichen, die in dieser Welt aufwachen und vor den Herausforderungen stehen welche die neuen Medien mit sich bringen? Viele Möglichkeiten von denen die heutigen Erwachsenen damals nur in ihren Träumen zu wagten glauben sind nun Realität. – „HAL, öffne die Luftschleuse.“

Kinder von heute wachsen in einer Umgebung auf, die nicht mehr nur von Zeitungen und Fernsehen geprägt ist. Ein Smartphone und Tablet ist eine Selbstverständlichkeit. Traumberufe sind inzwischen nicht mehr Profisportlerin oder Sänger, sonder Instagrammerin oder Youtubestar. Auf der anderen Seite sind wir nun tagtäglich Massen an Informationen ausgesetzt, doch was sagt uns, dass diese Informationen akkurat sind oder der zeitlichen Einordnungen entsprechen? Menschen in einem fortgeschritteneren Alter konnten in einer langsameren Medienlandschaft eine entsprechende Sensibilität aneignen, Jugendliche von heute werden regelrecht mit Informationen geflutet. Schon allein die Auswahl der Quelle kann ein schwieriges Unterfangen werden. Medienkompetenz muss hier entwickelt und geschult werden. 

In einer Welt geprägt von Fake-News, künstlerisch initiiert durch Orson Welles und real bestätigt durch Donald Trump, müssen heutzutage Medien kritischer hinterfragt werden als sonst. Wer sendet diese Meldung und welchen Wahrheitsgehalt kann ich ihr beimessen? Eine Handhabe hierfür kann zunächst der „Erste April“-Test sein: Lies und hinterfrage jede Meldung und Information so, als sei heute der erste April. Denn niemand wird gerne reingelegt. 

Die Medienkompetenz beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Lesen von Information, sondern ist auch bei der Verbreitung ebendieser von entscheidender Rolle. Wieviel möchte ich von mir preisgeben und wieviel Informationen gebe ich schon allein durch meine Anwesenheit in sozialen Netzwerken her? Ein schnell gepostetes Bild mit den entsprechenden Hashtags bei Snapchat um der Clique mitzuteilen, dass man gerade eine gute Zeit im Park hat ist auch eine Freude für den Webcrawler der werbeverbreitenden Industrie. Und nicht jeder ist so nett und fragt vorher nach, ob die Informationen genutzt werden dürfen wie Ulli von pizza.de.

In allen Bereichen erleben wir also eine Durchdigitalisierung unseres Lebens. Dies kann nur erfolgreich und nützlich sein, wenn wir nachfolgenden Generationen die Fähigkeiten mitgeben diese neuen Werkzeuge kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Diese Generationen müssen George Orwell Lügen strafen und Siri, Alexa und Co. zeigen, dass der HAL 9000 nur eine Hollywood-Erfindung ist. Außerdem ist nach dem KI-Experten Joscha Bach auch keine Gefahr von den Maschinen zu befürchten, denn wenn eine KI ein Bewusstsein entwicklen würde, wäre ihr Bestreben nicht die Menschheit zu unterjochen, sondern ihren eigenen Belohnungsalgorithmus zu hacken. Also ein zutiefst menschliches Verhalten. So bleibt zum Schluss wieder alles am Menschen selbst und den Umgang mit den neuen Medien hängen. Denken sie also mal darüber nach, am besten am heutigen Tag der Medienkompetenz.

Dr. Norman Schumann, Villa Wewersbusch

By | 2018-11-04T16:28:00+00:00 November 4th, 2018|Allgemein|0 Comments

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