Schule soll ein Spiegel der Gesellschaft sein.

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Frankreich verbietet Handys an Schulen – Ein Kommentar von Beate Mittag, stellv. Schulleiterin an der Villa Wewersbusch

Eigentlich müssten gerade die Franzosen es wissen, erinnert man sich an den Geschichtsunterricht und die französische Revolution: Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurück genommen werden.

Ich gehöre weiß Gott nicht zur jüngeren Generation und sehe ebenfalls, wie einige Kommentatoren technische Neuerungen kritisch; jedoch hat mich die Erfahrung gelehrt, auch wenn ich zuvor ganz anderer Meinung war, dass Innovationen nicht als Feind des Lehrers gesehen werden sollten, sondern als Bereicherung betrachtet werden können. Sobald man sich als Lehrer einen sinnvollen Einsatz der Medien überlegt, mit den Schülern klare Regeln abspricht und auch konsequent auf deren Einhaltung achtet, können die neuen Medien den Unterricht sinnvoll ergänzen.

Einige Kollegen in öffentlichen Schulen haben oft gar kein WLAN für alle Schüler oder nur einen PC pro Klasse zur Verfügung, so dass die Lehrer die Recherche mit den Handys gestatten, denn Handys mit Internetzugang haben die Kinder meist, so dass keine zusätzlichen Kosten für finanziell schlechter gestellte Schüler entstehen.

Es gibt hilfreiche Erklärvideos, die Schüler nutzen können, wenn Lehrer im Falle von Stundenausfällen Aufgaben geben, in denen die Schüler sich selbst ein Thema erarbeiten müssen; und solche Fälle – glauben Sie mir – kommen öfter vor, als man denken mag.

Weshalb haben wir vergessen, dass wir im Unterricht auch selbst jede mögliche Ablenkung genutzt habe, wie Briefchen schreiben, träumend aus dem Fenster zu sehen, Käsekästchen zu spielen, … und es lag immer am Lehrer und der Vermittlung der Inhalte, ob man sich ablenken ließ oder nicht.

In den letzten Jahren habe ich erfahren dürfen, dass die Schüler sich überhaupt nicht verändert haben und genau dasselbe nur mit anderen Mittel unternehmen, wenn man sie lässt, schreiben sie Briefchen, heute WhatsApp, Twitter und Co, sehen träumend irgendwohin oder spielen, heute am Handy oder iPad. Und es liegt immer noch an der Lehrerpersönlichkeit und der Art der Vermittlung, ob sie sich ablenken lassen oder nicht.

Aber ich bin froh, dass ich die neuen Technologien nutzen kann, da ich neben der Medienkompetenz, die Schüler auch auf ihr eigenständiges Arbeiten im Studium vorbereiten kann. Schon früh sollten sie lernen, wie man recherchiert, geeignete Quellen findet und dass man auf keinem Fall etwas kopiert und einfügt. So wird diese Form des Arbeitens bei Studienbeginn bspw Routine sein und sie werden sich intensiv mit den Inhalten beschäftigen können und weniger mit den Formalien auseinandersetzen müssen.

Und mal ehrlich ich war wirklich froh als Studentin den ersten PC mit 621 KByte zu haben und meine elektrische Schreibmaschine ohne Korrekturband im hintersten Eck meines Schranks verbannen zu können! Wir vergessen leider zu schnell, welch einen positiven Nutzen uns diese Technologien brachten. Weshalb soll denn eine Schule noch genauso ausgestattet sein wie vor 35 Jahren, die Arbeitsplätze sehen doch auch schon längst anders aus.

Wir vergessen immer unserer Grundsatz, der in den Curricula geschrieben steht: „Schule soll ein Spiegel der Gesellschaft sein!“ Es wird Zeit, dass die Gesellschaft bereit ist, dieses umzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Beate Mittag, stellv. Schulleiterin

By | 2018-08-01T16:05:09+00:00 August 1st, 2018|Allgemein, iPad School, News, Villa Wewersbusch|0 Comments

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