Was sollen unsere Schüler lernen?

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Mittlerweile sind die Ansprüche an Unterricht gewaltig. Er soll möglichst fächerübergreifend sein und dazu noch kompetenzorientiert, sowie praxisorientiert. Natürlich darf er nicht langweilig sein, deswegen müssen die Unterrichtsmethoden stimmen. In Zeiten der Digitalisierung darf man den Einsatz der Medien nicht vergessen, die gezielt eingesetzt werden müssen.

Am Ende darf das Ziel nicht aus den Augen verloren werden, denn es stehen Tests, Klassenarbeiten, Eignungsprüfungen und weitere Leistungsüberprüfungen vor der Tür.

Bei den ganzen Bedürfnissen guten Unterrichts stellen sich zwei Fragen: Was vermitteln wir und wie vermitteln wir es? Diese Fragen sind geradewegs nicht einfach zu beantworten und werden häufig kontrovers diskutiert. In diesem Beitrag nehmen wir das „was“ genauer in den Fokus.

Wie oft hört ein Lehrer die Frage: „Wozu brauche ich das?“. Bestimmt nicht nur einmal und bestimmt nicht nur einmal kam der Lehrer nach dieser Frage ins Rudern. „Du brauchst es für dein Leben.“ ist die oft für den Schüler nicht zufriedenstellende Antwort. Und die Frage ist berechtigt. Nehmen wir das Beispiel quadratische Funktionen. Fast ein jeder ist mit ihnen in seiner Schulzeit in Berührung gekommen. Doch wer brauch sie a) heute noch im Berufsleben und b) wer braucht sie in einem Beruf außerhalb von Bildung. Die Anzahl der Personen ist wahrscheinlich sehr gering, aber muss man deswegen quadratische Funktionen aus dem Lehrplan streichen? Die Mathematiker unter uns schlagen jetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Quadratische Funktionen sind wichtig, um grundlegende mathematische Fertigkeiten und Techniken zu erlernen. Sie sind die Grundlagen, um höhere mathematische Probleme zu lösen. Jedoch begegnet einem Menschen die Statistik häufiger. In der Schule wird sie jedoch nur knapp angeschnitten. Ist es hilfreich mathematische Techniken mit Hilfe von Statistik zu erlernen, die Schüler in Zukunft häufiger brauchen können? Wie schon in diesen kurz angeschnittenen Überlegungen zu erkennen ist, die Frage, was in der Schule gelernt werden soll, ist wirklich nicht einfach zu beantworten. Sollen Schüler vielleicht selbst entscheiden, was sie lernen möchten? Sicherlich ein guter Ansatz, es stellt sich jedoch die Frage, ob Schüler, besonders im jungen Alter, genug Erfahrung haben, um selbst zu entscheiden, was sie lernen möchten. Viel wichtiger ist, dass ihnen Möglichkeiten zum Lernen und Entdecken gegeben werden. Dass ihre Neugierde geweckt wird und sie die Möglichkeit haben ihre eigenen Interessen zu entdecken und auszuleben. Dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird quadratische Funktionen zu lösen. Dass sie eine Relevanz hinter dem sehen, was sie lernen. Dass sie mitentscheiden dürfen, was sie lernen.

An unserer Schule versuchen wir durch unser Clubsystem in diese Richtung zu steuern, dennoch sind wir, auch in unserem Clubsystem selbst, durch die Auflagen der Lehrpläne und Abschlussprüfungen limitiert. Für jeden Schüler ist es trotzdem eine Bereicherung, dass ein Teil des Stundenplans selbst, den Interessen entsprechend, gewählt werden kann.

In einem Schulsystem, das seit vielen Jahren auf starre Lehrplänen beharrt ist dies nicht einfach zu verwirklichen. Am Ende zählen Tests, Zeugnisse und Noten. Von Individualität ist genauso wenig zu sehen, wie von Relevanz für das spätere Leben. Im Moment liegt der Fokus der Politik auf der Digitalisierung, die anderen Baustellen des deutschen Bildungssystems sind außen vor. Es ist wichtig, dass Schulen Freiheiten bekommen ihre Lehrpläne und Stundeneinteilungen selbst mitzugestalten. Im Grunde verfolgen alle dasselbe Ziel: den Schüler zu einem mündigen, selbstbestimmten Teilhaber an einer sich rasch weiterentwickelnden Gesellschaft zu befähigen.

(Dieser Beitrag ist angelehnt an „Future Wise: Educating our children for a changing world“ von David N. Perkins)

By | 2018-03-29T11:49:03+00:00 März 11th, 2018|Allgemein, Aus dem Unterricht, Villa Wewersbusch|0 Comments

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