Bunkeranlage in Langenberg entdeckt

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Ehemaliges Lazarett verbarg geheime Tunnelanlage im Wewersbusch

Velbert. Eine mehrere hundert Meter lange Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg wurde unter dem ehemaligen Lazarett in Velbert-Langenberg entdeckt. Archäologen der Universität Münster und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sprechen von einem einmaligen Fund.

Unter der 1911 gebauten Villa Wewersbusch, die heute ein Internat beherbergt, wurden in den vergangenen Wochen bei einer Prüfung durch einen Sachverständigen die versteckte Bunkeranlage entdeckt. Erste Vermessungen der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) haben Tunnelanlagen mit einer Gesamtlänge von über 1200 Metern ergeben, aufgeteilt auf mehrere Stockwerke. Die mit der weiteren Auswertung beauftragten Archäologen der Universität Münster sprechen von einem Sensationsfund. „Unsere ersten Ergebnisse stützen die These, dass hier in Langenberg bereits 1930 mit dem Bunkerbau begonnen wurde“, so Ausgrabungsleiter Bernd Gärner „Langenberg lag strategisch günstig zwischen der Schwerindustrie des Ruhrgebiets und der kriegswichtigen Textilindustrie im Bergischen Land. Die Bunkeranlage war so ein sicherer Rückzugsort für die Industrie- und NS-Elite der Region.“ Auch die Sendeanlagen, für die Langenberg noch heute bekannt ist, waren wichtige Ziele für die Alliierten Bomber.

Bunkerbau auch für militärische Zwecke

Während des 2. Weltkrieges war Langenberg Lazarettstadt und stand dadurch unter dem Schutz der Genfer Konvention. Auch die Villa Wewersbusch diente als Lazarett. Nach dem Krieg errichtete die Deutsche Post hier eine Schule für Fernmeldetechnik und stattete diese ebenfalls mit einem Schutzraum aus. Anfang März fanden Sachverständige bei einer wiederkehrenden Prüfung der Lüftungsanlage den Zugang zu den Bunkeranlage. Erste Untersuchungen lassen eine Entstehung des Bunkers um 1930 vermuten. Brisant dabei ist, dass der Bau der Anlage mit dem sogenannten „Langenberg-Verbot“ vom 9. Oktober 1929 in Verbindung gebracht werden kann. Damals hatte der Preußische Innenminister Albert Grzesinski die Auflösung des „Stahlhelm“, ein illegaler, rechtsgerichteter Bund von Frontsoldaten, verfügt. Es folgte eine über Monate andauernde internationale Kontroverse, die auch den Reichstag in Berlin beschäftigte. Am 16. Juli 1930 wurde das Verbot der als „Geländespiele“ getarnten Großmanöver um Langenberg wieder aufgehoben. Der Bau der Bunkeranlage unter dem späteren Lazarett könnte daher auch einem militärischen Zweck gedient haben, vermuten die Münsteraner Archäologen.

Künftige Nutzung noch unklar

In den kommenden Monaten werden die Forscher im Auftrag des BImA die Anlage weiter vermessen und ihre Funde dokumentieren. Für die zukünftige Nutzung der Anlage gibt es jedoch schon erste Ideen. So denkt das Internat Villa Wewersbusch über verschiedene Nutzungsszenerien nach. „Dieser historische Ort wird sicherlich in unserem Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht eingebunden werden. Den Besuch des Bunkers und eines kleinen Museums wollen wir auch für die Langenberger Bevölkerung ermöglichen. Auch die Nutzung der Anlage für die Zucht von Champignons wird zur Zeit geprüft.“, sagt Florian Kesseler, Geschäftsführer des Internats Villa Wewersbusch. Wann die Geheimnisse die Bunkeranlage der Öffentlichkeit offenbart werden, bleibt noch offen. Zuerst müssen Belüftungsanlagen in die Stollen und Röhren eingebaut werden.

By | 2018-04-01T07:32:48+00:00 April 1st, 2018|Allgemein, News|0 Comments

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